Kaiserslautern: Frühjahrsvollversammlung bei der Handwerkskammer

Wirtschafts- und Ausbildungssituation

Kaiserslautern – Vor der Vollversammlung der Handwerkskammer der Pfalz hat Präsidentin Brigitte Mannert eine positive Wirtschaftsbilanz für das erste Halbjahr gezogen.

Weniger gut fiel ihre Bilanz zur Ausbildungssituation aus, die von einem erneuten Rückgang bei den Lehrvertragseingängen und von einer abnehmenden Zahl an Auszubildenden im pfälzischen Handwerk geprägt ist.

In ihrem Sachstandsbericht sagte Mannert, das pfälzische Handwerk könne

„mit der Wirtschaftsentwicklung sehr zufrieden sein“.

Sie erläuterte diese Einschätzung mit den Ergebnissen der Frühjahrsumfrage zur Handwerkskonjunktur und begründete sie vor allem mit den positiven Einschätzungen zur Geschäftslage. 84 Prozent der befragten Betriebe hätten sich gut oder zufriedenstellend zu ihrer Geschäftslage geäußert; vor einem Jahr seien es nur 80 Prozent gewesen. Die Kombination aus niedrigem Ölpreis, billigen Krediten und steigender Beschäftigung habe

„die Kauflust der Verbraucher beflügelt und dem Handwerk zusätzlichen Rückenwind beschert“.

Auch die Zukunftserwartungen des Handwerks bezeichnete die Präsidentin als sehr optimistisch. 91 Prozent der Handwerksbetriebe rechneten

„mit einer sich weiter positiv entwickelnden Konjunktur“.

Das seien fünf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr und damit werde das Handwerk

„auch in diesem Jahr seinen Beitrag zum Wirtschaftswachstum und zur Beschäftigung leisten“,

sagte Mannert. Allerdings könnten politische Einflüsse diese Situation ändern. Ein Beispiel dafür sei der „Brexit“, der ein „Sieg des Misstrauens gegen die Vernunft“ sei und nicht dazu führen dürfe, das Frieden stiftende und Wohlstand schaffende Projekt Europa in Frage zu stellen.

In ihrem Bericht zur Ausbildungssituation wies die Kammerpräsidentin darauf hin, dass die Zahl der Lehrvertragseingänge zum 31. Mai um 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen ist und dass die Zahl der Auszubildenden im pfälzischen Handwerk in den letzten fünf Jahren um 15 Prozent abgenommen hat. Damit stehe das Handwerk vor einer komplizierten Situation.

„Die Zahl der Auszubildenden sinkt, die Zahl der älteren Arbeitnehmer, die kurz vor dem Eintritt in den Ruhestand stehen, steigt“,

sagte Mannert. Und dem müsse das Handwerk entschlossen entgegentreten.

Als eine Möglichkeit, die zur Fachkräftesicherung im Handwerk beitragen könne, führte die Präsidentin die Ausbildung und Beschäftigung von Flüchtlingen an. Hierfür müsse allerdings der Zugang zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt erleichtert werden. Dazu gehöre, eine schnellere Bearbeitung von Asylanträgen und die Bereitstellung zusätzlicher Ressourcen für die Antragsbearbeitung, eine schnelle Ausweitung der Deutschkurse und die verwertbare Erfassung vorhandener beruflicher Kompetenzen sowie deren Anrechnung und Anerkennung.

„Im Handwerk besteht eine hohe Bereitschaft, Flüchtlinge und Asylsuchende auszubilden“,

sagte Mannert, und das Handwerk sei dazu bereit, soziale Verantwortung zu übernehmen.

Im politischen Teil ihrer Rede ging Mannert auch auf den Koalitionsvertrag der Landesregierung ein. Sie lobte das im Koalitionsvertrag festgeschriebene Bekenntnis zu Handwerk und Mittelstand. Dazu gehöre das Vorhaben, mit einem „Meisterbonus“ die Meisterausbildung finanziell zu fördern.

Der „Meisterbonus“ könne dazu beitragen, „die Attraktivität der Meisterprüfung zu steigern und das duale Bildungssystem zu stützen“, sagte Mannert. Allerdings müsse er vor dem Hintergrund der zum 1. August in Kraft tretenden Verbesserungen beim „Meister-Bafög“ so ausgestaltet werden, dass sich die Landesförderung nicht förderschädlich auf die Bundesförderung auswirkt.

Den Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2015 stellte Hauptgeschäftsführer Ralf Hellrich vor. Das Projekte „Handwerk attraktiv Rheinland-Pfalz“, mit dem Handwerksbetriebe dabei unterstützt werden, eine vorausschauende und aktive Personalpolitik zu betreiben, wurde von Projektleiterin Silke Eichten präsentiert.