Die Popforscher stellten neue Studienergebnisse vor

"Wir werfen Ballast ab und fliegen"

Die Popforscher spielten im DAI Heidelberg.

Deutsch-Amerikanisches Institut, Heidelberg, Poststraße. 11.06.2014. Draußen 30 Grad, heiter bis wolkig. Drinnen 30 Grad, heiter-melancholisch. Zehn Jahre nach ihrem Debütalbum stellten die Mannheimer Popforscher mit ihrem Album "2" neueste musik- und lebenswissenschaftliche Erkenntnisse für die Generation der "Vor-der-Mondlandung-Geborenen" vor. "Gut abgehangen und gereift" seien sie, wie Sänger Peter Baltruschat gleich zu Konzertbeginn betonte und mit "Wir werfen Ballast ab und fliegen" gleich Inhalt und Atmosphäre des abendlichen Forschungsseminars vorgab.

Bereits mit diesem Einsteiger hatten die Popforscher das Auditorium auf ihrer Seite. Die Texte von Autor Steffen Herbold, mal lyrisch, mal pop-artig und mal ein wenig dadaistisch; frech, bittersüß bis knallernst und immer offen für eigene Illustrationen waren extrem präsent, genossen Aufmerksamkeit, zwangen zum Lächeln – und berührten. Wie zum Beispiel die beiden Songs über den Tod und das Sterben – "Brach" und "Das große Einerlei". Sänger Peter Baltruschat überhöhte die Texte denn auch klugerweise nicht oder überlud sie stimmlich-emotional, sondern gab ihnen ähnlich eines Conférenciers süffisant unaufgeregt die Luft zum Atmen. "Statt der Leidenschaft sind es nur die Augen, die mir brennen und Wachsein ist das Gegenteil von Traum", heißt es zum Beispiel in "Dabei kenne ich Dich kaum".

Popforscher-Komponist und Produzent Michael Herzer (b, kb) gab dazu mit der Band jedem Text eine eigene musikalisch-stilistische Heimat: Herrlich, das derbe Südstaaten-Bottleneck-Riff von Gitarrist Rolf Oehmichen bei "Wenn die Betsy was kocht", das Waschbrettbauchsolo von Hans-Jürgen Goetz an der Percussions, die gut temperierten Keyboards mit schönem alten bluesigen Leslie-Sound von Michael Quast und das punktgenaue Zusammenspiel mit Schlagzeuger Andreas Pilder – man merkt, dass alle beteiligten Popforschungseinheiten namhafte Koryphäen ihrer Zunft sind – und das auch über "Monnem" hinaus. Gemeinsam sind die Popforscher eine angenehm einnehmende Musikcombo, die mit ausgefeilten Arrangements und Musikstilen aufwartet und mit den genannten Textqualitäten schon fast an der Tür zur Kleinkunst kratzt – das Mainzer Unterhaus, wo Musikkabarettisten des Kalibers "Malediva" ein- und ausgehen, ist da in Sichtweite. Ins Reisegepäck dorthin müssen dann auch die Coverversionen von "Heartbreak Hotel" (Elvis Presley) oder "Sitting on the dock of a bay" (Otis Redding), die bei den Popforschern zum rührenden "Herzschlag Hotel" bzw. zum tragikomischen "Ich sitze auf meinem Hund am Kai" werden, die auf ihrem ersten Album zu finden sind.

Am 6. September 2014 halten die Popforscher ihr nächstes Kolloquium während des Mannheimer Schlossfestes ab – bis dahin kommt man in der Kurpfalz nicht um einen guten Sommerwein auf dem Balkon oder der Terrasse und den sich um Sein und Dasein herzhaft kümmernden Popforschern auf den Ohren herum. "Meiden Sie Los Angeles" so lange und denken Sie dran: "Wir werden Federn lassen".

www.popforscher.de